Wohnungsnot in Europas Großstädten

Großstädte ziehen nach wie vor neue Bewohner an. Dies ist nicht nur in Deutschland der Fall, sondern lässt sich auch in ganz Europa feststellen. Es sind vor allem junge Menschen, die ihr „Glück“ in der Stadt suchen – oder besser gesagt: die in ihren Heimatregionen nicht die Ausbildungs- oder Jobgelegenheiten haben, die ihnen eine große Stadt bieten kann. Natürlich stellt auch das Lebensgefühl in einer Metropole einen Reiz dar, der zusätzlich zur wirtschaftlichen Verheißung einer Großstadt anziehend wirkt.

In Deutschland suchen viele händeringend nach bezahlbarem Wohnraum in Berlin, München, Hamburg, Köln oder Frankfurt. Die Mieten und Kaufpreise in den deutschen Zentren haben sich in teils absurde Höhen geschwungen, was der Nachfrage bisher keinen Abbruch getan hat. Da sich aber nicht alle diese Preise leisten können, wird auch das Metropol-Umland immer gefragter und teurer.

Viele junge Familien suchen nach bezahlbarem Wohnraum in Europas Großstädten.

Das Institut für Wirtschaft (IW) Köln hat errechnet, dass fast 350.000 Wohnungen in Deutschland fehlen, die meisten davon in Großstädten. Diese kommen jedoch im Durchschnitt nur auf 71 Prozent des eigentlich benötigten Neubauvolumens. In ländlicheren Gegenden wird dagegen zu viel gebaut, dort kommt es zum Teil zu Leerständen.

Auf europäischer Ebene wird die Höhe der bis 2030 zusätzlich benötigten Wohnungen in Großstädten auf satte 1,2 Millionen geschätzt. Am stärksten ist die Schere zwischen Bedarf und Angebot in London, wo es mehr als 350.000 zusätzliche Wohnungen sind, die spätestens in 10 Jahren fertiggestellt sein müssten. Warschau ist von der Wohnungsnot mit 149.000 fehlenden Einheiten ebenso besonders betroffen wie Paris mit 129.000 und Wien mit 110.000.

Wirtschaftsinstitute rufen die Metropolregionen immer wieder dazu auf, Neubaugebiete auszuweisen, doch so einfach ist das gerade in den Stadtkernen nicht mehr, wo die Bebauung bereits so verdichtet ist, dass viel mehr nicht mehr geht. Von daher geht der Appell auch an die Regionen im Umland der Metropolen.

Aktuell stellt sich die Frage, wie Corona diese Entwicklung beeinflussen wird. Gerade große Firmen investieren derzeit stark in die Digitalisierung, wodurch Homeoffice-Lösungen zukünftig einen Umzug in eine Großstadt überflüssig machen könnten. Zudem sind die längerfristigen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und wie diese sich auch auf Wohnungspreise auswirken werden noch nicht absehbar.

Posted under: Bauen, Immobilienmarkt, Wohnen

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