Makler spüren Auswirkungen des Bestellerprinzips deutlich

Die Einführung des Bestellerprinzips vor einem halben Jahr hat schon so manchen Makler seinen Job gekostet.

Makler mit MieterinDas Bestellerprinzip wird von Verbraucherschützern sowie Miet- und Kaufinteressenten begrüßt, doch die Immobilienmakler haben wie zu erwarten ihre Not damit. Wer einen Makler beauftragt, zahlt seit Juni diesen Jahres auch dafür. Bis dahin war die Regel, dass Vermieter oder Verkäufer einen Makler bestellt haben und immer der Käufer oder Mieter dessen Provision zahlen mussten.

Die neue Regelung hat den Markt ganz schön aufgewühlt. Tatsächlich bricht den Immobilienmaklern nun ein Großteil des Vermietungsmarktes zusammen. Mit den Unwägbarkeiten, die mit eine Vermietung von Wohnraum einhergehen, entscheiden sich die meisten Eigentümer gegen eine Bauftragung eines Maklers. Was wenn der neue Mieter nach einem halben Jahr wieder auszieht? Dann war die teure Maklerkaution eine schlechte Investition. Und Mieter sehen es mittlerweile nicht mehr so leicht ein, warum sie einen Makler von sich aus kostenpflichtig und exklusiv beauftragen sollen, wenn für sie ein kostenfreier Markt besteht.

Maklerbüros, die bisher sehr von der Vermietung gelebt haben, geraten unter Druck und manch einer ging auch schon pleite. Andere, die sowohl Vermietung als auch Verkauf betreut haben, stoßen teilweise bewusst ihren Vermietungszweig ab, sprich: Es kommt hier teilweise zu Entlassungen der dort tätigen Mitarbeiter.

Beim Verkauf sieht es für Makler noch ganz gut aus. Denn da steht für viele Verkäufer einfach zu viel Geld im Raum, um sich da selbst einen Fehler leisten zu können. Schließlich geht es beim Verkauf oft auch um professionelles Verhandlungsgeschick, das nicht jedem Laien-Verkäufer liegt und auch die Formalitäten rund um einen Verkauf sind so komplex, dass die Bereitschaft für die Leistungen eines Maklers zu zahlen, deutlich größer ist.

Das Bestellerprinzip hat jedoch noch einem ganz neuen Markt die Tore geöffnet, nämlich Online-Start-ups, die sich mit einem neuen Geschäftsmodell ans Thema Immobilien-Vermarktung machen. Diese gehen mit ganz neuen Ideen an die Sache. Im Stile von Partnersuch-Börsen arbeiten sie mit Algorithmen, die Verkäufer/Vermieter mit passenden Käufern/Mietern zusammen bringen. Manche dieser Online-Makler bieten nur das sogenannte Matching an und alle anderen Leistungen, wie z.B. Wohnungsbesichtigungen oder Vorbereitung von Verträgen werden gesondert abgerechnet, andere bieten ein Komplettpaket zum Festpreis an.

Noch ist die Konkurrenz aus dem Netz für die klassischen Immobilienmakler überschaubar, aber das könnte sich bald ändern. Das ungeschriebene Monopol der Makler erstreckte sich auf eine Vielzahl von Leistungen, die die Online-Start-ups nun für sich entdecken. Bonitätsprüfung, Energieausweis ausstellen, Wertermittlung und mehr wird zukünftig wohl immer stärker durch Onlinemakler angeboten oder vermittelt werden.

Der Gegenwind macht den alteingesessenen Makler jedenfalls schwer zu schaffen. Aus ihrer Sicht bleibt da die Qualität und das Prinzip von „alles aus einer Hand“ auf der Strecke. Sie glauben, dass ihre Leistungen nunmal nicht durch die Digitalisierung der Beziehungen zwischen Anbietern und Nachfragern, geschweige denn von Laien ersetzt werden können und unken schon, dass das böse Erwachen bei Vermietern und Verkäufern schon noch kommen werde. Vielleicht wird sich der Markt dann wieder zugunsten der klassischen Makler verändern, vielleicht aber auch nicht. Die Praxis wird zeigen, ob der Wohnungsmarkt auch zunehmend auf die Dienstleistungen von Maklern verzichten kann beziehungsweise will.

 

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